Dass Täuflinge zur Taufe behutsam etwas Wasser über den Kopf gegossen bekommen, ist zu erwarten. Sehr viel Wasser von ganz oben ist jedoch nicht hilfreich, vor allem bei einem Open-Air-Tauffest, und deshalb gingen im Nordkreis bange Blicke am Sonntag immer wieder gen Himmel: Hält das Wetter, oder hätte man den ersten großen gemeinsamen Taufgottesdienst der Nordkreis-Gemeinden doch in die Kirche verlegen sollen? „Vielleicht ist Petrus ja ein bisschen evangelisch und hat ein Einsehen mit uns“, sagte eine Helferin kurz vor Beginn der Veranstaltung, als der Regen gerade wieder nachließ - und sie sollte recht behalten.
„Das Wasser verfliegt, aber die Taufe bleibt“
Eine Tauffamilie erschien spontan
Mehr als 300 Menschen versammelten sich schließlich am Sonntagvormittag im Alsdorfer Tierpark, zwischen Teich, Erdmännchen-, Esels- und Damwild-Gehege, um gemeinsam das Tauffest zu feiern. 19 Täuflinge waren dazu angemeldet gewesen, eine Familie kam noch am Morgen spontan dazu. „Ich hatte davon im Radio gehört, dass man sich auch kurzentschlossen taufen lassen kann“, sagte die Mutter der bald fünfjährigen Laura aus Aachen. „Deshalb sind wir heute einfach hergekommen. Da wir unsere Tochter auf eine kirchliche Schule schicken wollen, passt es gut.“
Gleichzeitige Taufen in vier Pavillons
In vier Pavillons standen für diesen Gottesdienst vier Taufschalen bereit. Pfarrer Wolfgang Willnauer-Rosseck und Pfarrer Malte Sahm-Stollewerk aus der Christusgemeinde Alsdorf-Würselen-Hoengen Broichweiden, Pfarrer Joachim Leberecht aus der Lydia-Gemeinde Herzogenrath und Pfarrer Jochen Gürtler aus der Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Sierdorf nahmen die Taufen gleichzeitig vor. Babys, Jugendliche und Erwachsene waren unter den Täuflingen. Was bei der Taufe passiert, erklärte kindgerecht und kurzweilig ein Handpuppenspiel zwischen einem Raben und zwei Wiedehopfen, gesprochen von Doro Schui, Britta Schwering und Wiebke Gerhardt. „Ich will aber nicht in den Teich“, sorgt sich darin zunächst der kleine Wiedehopf und wird dann beruhigt, dass dies gar nicht nötig ist. Schließlich lernt er: Das Wasser, mit dem er getauft wird, verfliegt, aber die Taufe bleibt, „und ich gehöre immer zu Gott“.

Foto: Caren Braun
Alessandro aus Baesweiler entschied sich bewusst für die Taufe, nach dem er evangelisches Leben in der Kita Engelhaus kennengelernt hatte.

Foto: Caren Braun
Die vierjährige Laura freute sich nach ihrer Taufe über die Seifenblasen, die alle Gottesdienstbesucher zum Segen erhielten.
Ältester Täufling 21 Jahre alt
Der älteste Getaufte an diesem Tag war mit 21 Jahren Alessandro aus Baesweiler. Grund für die Taufe sei seine Ausbildung zum Erzieher im evangelischen Familienzentrum „Engelhaus“ gewesen, erzählt er: „Ich hatte früher nie richtig Berührungspunkte mit der Kirche. Aber dort habe ich erfahren wie evangelische Werte gelebt werden und dachte, das ist es, was ich mag.“ Das Tauffest als besonderer Anlass habe sich da angeboten, um Mitglied der evangelischen Kirche zu werden. Unter den getauften Kindern war zum Beispiel der neunjährige Ilai aus Aachen. „Es fühlte sich richtig gut an“, verriet er nach der Taufe. Und zu seinen Gründen für die Entscheidung: „Ich mag den Religionsunterricht und die Gottesdienste in der Schule, deshalb wollte ich getauft werden.“
Lockeres Ambiente und gutes Feedback
Nicht nur die Täuflinge, sondern auch die Pfarrer und das große Helferteam waren schließlich mit dem Ablauf des Gottesdienstes und dem guten Feedback sehr zufrieden. Da tat es dem Fest keinen Abbruch, dass sich im lockeren Ambiente des Tierparks einige Besucher direkt nach der Taufhandlung schon mit Grillwürstchen versorgten, ohne den Rest des Gottesdienstes abzuwarten. Vielleicht ahnten sie, dass die Regenpause kurz sein und es nach dem Segen leider sofort wieder nass werden würde.
Wiederholung vielleicht in zwei Jahren
Pfarrer Willnauer-Rosseck zog anschließend ein sehr positives Fazit: „Ich fand es absolut klasse, die Stimmung war gut, und alle waren entspannt. Ich bin sicher, manche hätten sich ohne das Tauffest nicht zur Taufe entschlossen, vor allem einige Jugendliche.“ Und Pfarrer Leberecht pflichtet ihm bei: „Unser Konzept ist bestens aufgegangen. Es war richtig schön, dass wir eine so große Gemeinde waren. Wir sollten das unbedingt wieder machen.“
Einen sehenswerten Bericht über das Tauffest hat auch die WDR Lokalzeit Aachen veröffentlicht.
(Text: Ev. Kirchenkreis Aachen / C. Braun)












