Engere Zusammenarbeit unterschrieben
Foto: Andrea Thomas
Bis zum 13. November ist die Wanderausstellung VielfALT in Herzogenrath zu sehen.
Kirche mal anders: Im Altarraum der Markuskirche in Herzogenrath-Mitte, wo sonst das Altarbild zur Schöpfungsgeschichte den Blick auf sich zieht, stehen mehrere Roll-ups. Der Blick fällt auf Fotos, farbig und schwarz-weiß, die Geschichten erzählen, wie Menschen im Alter leben und wie sie ihr Leben gestalten. Sie sind Teil der Ausstellung „VielfALT – Perspektiven auf das Leben im Alter“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die sich dem Leben älterer und alter Menschen in all seinen Facetten beschäftigt.
In den Kirchenraum geholt hat sie die Herzogenrather Lydia-Gemeinde gemeinsam mit dem Projekt „Mitten in Herzogenrath“ des Nell-Breuning-Hauses. Es soll nicht die letzte Veranstaltung des Bildungshauses und der Kirchengemeinde sein. Zukünftig wollen beide enger miteinander kooperieren, soll die Markuskirche zum Mehrgenerationen-Treffpunkt werden. Dazu hatten beide Partner im Vorfeld der Ausstellungseröffnung eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.
Wort Gottes ist wichtiger als der Raum
Wie in so vielen Gemeinden, treibt auch die Verantwortlichen der Lydia-Gemeinde die Frage um, wie sich Kirchen und kirchliche Gebäude zukünftig noch finanzieren und gut nutzen, sprich mit Leben füllen, lassen. Sie hätten sich im Presbyterium lange Gedanken gemacht, wie das in Bezug auf die 1898 geweihte evangelische Kirche am Herzogenrather Berg aussehen könnte. „Die Idee war, sie auf ein kleineres Volumen zu reduzieren und die Markuskirche umzubauen zum Gemeindehaus, in dem auch weiter Gottesdienste stattfinden“, sagt Pfarrer Joachim Leberecht. Aber auch andere Veranstaltungen. „Für Evangelische ist letztlich das Wort Gottes das Wichtigste, nicht der Raum. Deshalb können wir ihn öffnen für anderes und ihn mit Menschen teilen. Wichtig ist, dass er auch weiter spiritueller Raum bleibt.“ Dazu sollen unter anderem die Kirchenbänke durch eine flexible Bestuhlung ersetzt werden. Mit diesem Konzept hatte das Presbyterium auf „Werbetour“ gehen wollen, als das Projekt „Mitten in Herzogenrath“ auf die Gemeinde zukam.
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Pfarrer Joachim Leberecht bei der Eröffnung der Ausstellung VielfALT.
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Manfred Körber, Leiter des Nell-Breuning-Haus, und Britta Schwering, Vorsitzende des Presbyteriums der Lydia-Gemeinde, freuen sich auf die zukünftige Zusammenarbeit.
Ein Experimentierraum zum Schwerpunkt Gesundheit und Fürsorge
Ziel des Projektes ist es, Herzogenraths Mitte so weiterzuentwickeln, dass sie als Quartier allen Generationen etwas zu bieten hat. Dafür suchten die Projektverantwortlichen einen Ort, für einen Mehrgenerationen-Treffpunkt. Schnell wurde klar, das passt. „Als Nell-Breuning-Haus suchen wir mit unserer Bildungsarbeit und unseren Projekten immer den Weg raus“, erläutert Leiter Manfred Körber. Mit dem Mehrgenerationen-Treffpunkt wollen sie einen Experimentierraum eröffnen, in dem es schwerpunktmäßig um Fragen rund um Gesundheit und die Sorge umeinander gehen soll. Mit einem festen Programmangebot, aber auch allem, was die Menschen aus dem Quartier einbringen. Gerne würden sie auch kleinere Firmen und Start-ups einbinden.
Die Kirche biete dafür einen spannenden Raum. „Die Kirche ist historisch interessant, aber auch als spiritueller Ort und gleichzeitig entwickelt sich etwas daneben“, beschreibt es Christina Hermann, Fachbereichsleitung Projekte im NBH.
Auch für die Lydia-Gemeinde ist das eine reizvolle Herausforderung, ihren Kirchenraum nicht nur für andere Veranstaltungen zu öffnen, sondern hier gemeinsam etwas zu entwickeln, einen Ort, der auch Menschen über die Gemeinde hinaus anspricht und ihnen ein Stück „Heimat“ bieten kann. Im kommenden Jahr soll mit ersten Veranstaltungen begonnen werden, eventuell auch schon mit ersten Umgestaltungsarbeiten, wie Britta Schwering, die Vorsitzende des Presbyteriums ausführt. Das Gesamtprojekt hofften sie in den nächsten drei Jahren gemeinsam mit ihrem Kooperationspartner stemmen zu können.
Ausstellung über Perspektiven im Alter
Einen ersten Vorgeschmack auf die neue Nutzung der Markuskirche bot bis zum 13. November die Fotoausstellung „VielfALT – Perspektiven auf das Leben im Alter“. Sie ging der Frage nach, welche Bilder wir vom Alter haben und wie wir uns unser Leben im Alter vorstellen. Alter, das spiegeln die gezeigten Bilder wider, ist wie jeder Lebensabschnitt vielfältig und lässt sich nicht in Schablonen pressen. Alter, das ist das Nachlassen der Kräfte, das Angewiesensein auf Hilfe, vielleicht Pflegebedürftigkeit, aber es ist auch soziales und gesellschaftliches Engagement, ist das Ausleben von Kreativität und individuellen Lebensentwürfen.
Text: Andrea Thomas


