Evangelische Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf

11.05.2022

Gnadenkirche wird Gemeinschaftsunterkunft

Bis zu 60 ukrainische Menschen können untergebracht werden - Träger ist die Stadt Baesweiler in Zusammenarbeit mit dem DRK

Ein Gemeindehaus mit offener Tür, davor parkt ein Auto.
Die Tür der Gnadenkirche in Setterich ist wieder geöffnet. Foto: Ulrich Schuster

Von vorn sieht es auf den ersten Blick so aus, als würde in der Settericher Gnadenkirche wieder Gemeindeleben stattfinden. Vor der 2019 im Zuge der Gemeindefusion entweihten Kirche parken Autos, die Eingangstür steht weit offen.

Doch seit dem 9. Mai treffen sich in dem Gotteshaus nicht Gemeindegruppen, sondern finden Geflüchtete aus der Ukraine, überwiegend Mütter mit ihren Kindern und ältere Menschen, dort ein Dach überm Kopf.

Bis zu 60 Schlafplätze können nun doppelstöckig im Kirchenschiff zur Verfügung gestellt werden. Das Deutsche Rote Kreuz als betreuende Einrichtung kümmert sich um die Verpflegung (coronakonform in Einzelportionen), medizinische Begleitung und Struktur im Alltag. So gibt es beispielsweise für die Kinder ein Spielzelt und feste Betreuungszeiten mit Ablenkungsangeboten. Ein Wachdienst sorgt rund um die Uhr für die Sicherheit der Bewohner*innen und einen letzten Rest Privatsphäre.

Mietfrei zur Verfügung gestellt

Hausherrin der Gnadenkirche ist die Evangelische Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf. Deren Presbyterium musste nicht lange überlegen, als schon kurz nach Kriegsausbruch Ende Februar die Anfrage der Stadt Baesweiler kam, ob man das leerstehende Gebäude als Notunterkunft zur Verfügung stellen würde. „Es ist unsere Christenpflicht, hier zu helfen“, macht Bau- und Finanzkirchmeister Siegfried Schaffrath unmissverständlich klar. Und deshalb stellt die Kirchengemeinde das Gebäude der Stadt auch mietfrei zur Verfügung – unter der Bedingung „dass das Geld, das wir nicht einnehmen, den Flüchtlingen zugutekommt, zum Beispiel durch umfangreiche Spielmöglichkeiten. Das ist hier der Fall.“

Dafür sprach der Baesweiler Bürgermeister Pierre Froesch seinen ausdrücklichen Dank aus: „Das ist nicht selbstverständlich.“  Die Stadt Baesweiler ist Träger der Gemeinschaftsunterkunft, sie finanziert die Unterbringung mit Unterstützung aus verschiedenen „Fallpauschalen“ und anderen öffentlichen Töpfen.

Stand Dienstag nachmittag, 13 Uhr, waren 174 ukrainische Flüchtlinge offiziell in der Kommune gemeldet, darunter 66 Kinder. „Doch wir sollten nicht vergessen, dass wir derzeit noch 275 geflüchtete Personen anderer Nationalitäten auf dem Gebiet der Gemeinde untergebracht haben,“ betont Froesch. Deshalb ist die Stadt nach wie vor intensiv auf der Suche nach Wohnraum für diese Menschen – wohl wissend, dass der Wohnungsmarkt weiterhin angespannt ist und wohl auch bleiben wird.

Vorarbeiten

Bevor jedoch die ersten Geflüchteten kommen konnten, war noch einiges zu tun: Kirchenbänke, Altar und Kanzel mussten ausgeräumt und in der Siersdorfer Erlöserkirche (ebenfalls entweiht) eingelagert werden. Hier half der städtische Bauhof mit schwerem Gerät; er kümmerte sich auch um die Erdarbeiten bei der Verlegung von zusätzlichen Wasserleitungen. Denn eine Kirche bietet zwar viel Platz, aber keine Infrastruktur für das tägliche Leben. Zusätzliche Stromversorgung, W-LAN-Router sowie Container mit Toiletten, Duschen und Waschmaschinen mussten besorgt werden.
In der Gnadenkirche werden ausschließlich ukrainische Geflüchtete untergebracht – alle Hinweise sind entsprechend (auch) in ukrainischer Sprache ausgeschildert.

Was die sonstige Ausstattung der Unterkunft angeht, beispielsweise das Spielzelt für die Kinder, ist das DRK recht gut aufgestellt. Wer aber vielleicht Süßigkeiten für die Kinder oder Spielzeug spenden möchte, kann sich beim Sicherheitsdienst der Gnadenkirche melden, dieser wird sich entsprechend kümmern. Die Stadt Baesweiler hat außerdem eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet ukrainehilfe@stadt.baesweiler.de, um Hilfsangebote zu koordinieren.

Lösungsorientierte Zusammenarbeit

Die Nachbarn der Kirche wurden von der Stadt schriftlich über das Vorgehen informiert und um Verständnis gebeten. „Anders als 2015 haben wir diesmal keinerlei negative Reaktionen oder Nachfragen erhalten“, freut sich Angelika Breuer, Leiterin des Amtes für soziale Angelegenheiten und Wohnungswesen.
Überhaupt ist manches anders als 2015. Naseem Jafri, stellvertretender Abteilungsleiter Flüchtlingshilfe beim Deutschen Roten Kreuz, bilanziert, dass man nun in drei Monaten an Infrastruktur und Netzwerk geschafft habe, was damals neun Monate gedauert habe. Dass bereits über viele Jahre zwischen den verschiedenen städtischen Einheiten und dem DRK StädteRegion Aachen e.V. vertrauensvoll zusammengearbeitet wird, ist hier sicher von Vorteil.

Und so betonen alle Beteiligten unisono die konstruktive und lösungsorientierte Atmosphäre, in der sich alle Seiten tatkräftig mit ihrem jeweiligen Know-how und Fähigkeiten eingebracht haben.

Zu den Kernkompetenzen der Kirche gehört die Seelsorge – wird es da Angebote geben? Pfarrer Jochen Gürtler betont: „Die Bereitschaft ist auf alle Fälle da, und wenn es Bedarf gibt, sind wir zur Stelle. Das Problem ist jedoch oft die Verständigung.“ Diesen Ball nimmt Angelika Breuer direkt auf: „Wir haben Kontakte zu verschiedenen Dolmetscher*innen – sogar Simultanübersetzungen sind vielleicht möglich.“ Gürtler nickt erfreut: So funktioniert Gemeinschaft.

(Text: Juliane Siekmann / Kirchenkreis Aachen)

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