Wertlos!? Wertvoll!

Die Kinder des Ev. Familienzentrums Engelhaus wurden eine Woche lang kreativ mit dem, was wir sonst wegwerfen - Und lernten Spielzeug neu schätzen

Sie kennen das sicher auch: Man besorgt das tollste Spielzeug für die Kinder - und womit wird gespielt? Mit dem Karton, in dem es eingepackt war!

Aber warum ist das so? Vieles in unserer Gesellschaft ist vorgegeben und genormt. Das im Handel erhältliche und übliche Spielmaterial für Kinder in den ersten Lebensjahren unterliegt bestimmten Normen, Regeln und Vorgaben. Diese Vorgaben dienen oftmals der Sicherheit der Kinder, schränken jedoch gleichzeitig das freie Ausprobieren und Erfinden ein.

Alltagsmaterialien wie Dosen, Kartons und ähnliches haben im Gegensatz dazu keine festen Vorgaben. Somit wird die Kreativität der Kinder und das phantasievolle Spiel intensiv angeregt: Da wird zum Beispiel der Karton zum Bonbonautomat oder zum Boot. 
Genau solche Ideen der Kinder gaben im Familienzentrum Engelhaus den Ausschlag für eine Projektwoche zum Thema "Spielen mit Alltagsmaterialien”. Mit der fleißigen Unterstützung der Eltern wurden zwei Wochen lang Eierkartons, Klo-und Zewarollen, Verschlüsse, leere Jogurtbecher, Zeitungen, Kartons, Plastikschälchen, Tetrapacks, Verschlüsse, und vieles mehr (sauber) gesammelt. 

Zuvor wurde industrielles Spielzeug ausgeräumt

Mit den Kindern wurden am Freitag vor der Projektwoche die Gruppenräume spielzeugfrei geräumt und am Montagmorgen mit dem vermeintlich wertlosen Material gefüllt. 

Dabei haben die Kinderganz tolle Ideen entwickelt: Da wurden Kartons zu Robotern oder Autos. Aus Schleifenbandresten und Kartons wurden Flip-Flops oder ganze Wohnzimmereinrichtungen. Zudem wurde das mathematische und physikalische Verständnis gefördert, z.B. beim Sortieren von Kronkorken in leere Schalen oder dem Durchrollen von Gegenständen durch Pappröhren. 
Die Liste an unglaublichen Ideen der Kinder könnte hier nahezu endlos weitergeführt werden. 

Die Kinder haben am Ende der Projektwoche gemeinsam überlegt, welches Spielzeug sie wieder in den Gruppen haben möchten. Erstaunlicherweise hat viel weniger Spielzeug seinen Weg zurück in die Gruppenräume gefunden als zuvor dort war. Es ist zudem zu beobachten, dass diesem Material eine viel größere Wertschätzung entgegengebracht wird. 

So war für alle am Ende auch klar: „Das machen wir nochmal!“

Text: Claudia Däsler, Kita-Leitung