Evangelische Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf

02.07.2019

„Das Innere der Kirche ist das Wertvolle, nicht das Gemäuer“

Gnadenkirche in Setterich wird nach 61 Jahren entwidmet – Trauer und Zuversicht in der Gemeinde – Fortan Konzentration des Gemeindelebens in der Friedenskirche

Presbyter Peter Krüger trug die Altarbibel aus der Gnadenkirche, um sie in der Friedenskirche abzulegen. Im Hintergrund Pfarrer Ulrich Schuster und Superintendent Hans-Peter Bruckhoff. (Foto: Siegfried Malinowski)

Mächtiger Glockenschlag, Wehmut und Trauer in den Gesichtern – aber auch tröstliche Aufbruchsstimmung - begleiteten den Auszug der evangelischen Christen aus der Settericher Gnadenkirche. Seit letztem Sonntag ist das Gotteshaus entwidmet. Die Settericher Protestanten ziehen räumlich nach Baesweiler in die Friedenskirche um. Dort wurden sie nach dem letzten Gottesdienst in „ihrer“ Kirche herzlich empfangen.

Worte des Abschieds und unterschwellige Trauer

Zuvor hatte es viele intensive Worte des Abschieds gegeben. Von der Settericher Gemeinde, die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, war diese letzte Stunde würdig gestaltet worden. Fest an den Händen hielten sich beispielsweise Andreas und Sonja Biemel. „Wir sind hier vor 40 Jahren getraut worden“, machte sich bei den beiden Setterichern unterschwellige Trauer breit.

Stefan-Ludwig-Roth-Chor und Organist Tobias Koltun noch einmal in der Gnadenkirche

Der abschließende Gottesdienst, den Superintendent Hans Peter Bruckhoff und Setterichs Pfarrer Ulrich Schuster leiteten, wurde auch vom Stefan-Ludwig-Roth-Chor unter Leitung von Hanns Scheilen sowie Kirchenmusiker Tobias Koltun an der Orgel mitgestaltet. Dabei rührten Scheilens Sängerinnen neben sakralem Liedgut auch mit einem Popsong der niederländischen Gruppe Cats: „One Way Wind, leise flüstern die alten Bäume“, ging ganz nah.

Keine Furcht vor der Zukunft

Pfarrer Ulrich Schuster stellte in seiner Abschiedsrede unter anderem heraus: „Wir nehmen Gott sei Dank nur Abschied von einem Gebäude und nicht von der Kirche“. Und er ergänzte, „natürlich erweckt das Trauer bei uns allen. Aber Trauer muss sein. Denn wer nicht trauert, der hat auch nie geliebt“. Bei allem Schmerz über den Verlust der „eigenen“ Kirche war aber spürbar, dass sich die Protestanten nicht vor der Zukunft fürchten. Obwohl jeder mit seinen persönlichen Gefühlen kämpfen musste.

Bruckhoff: „Das Innere der Kirche ist das Wertvolle, nicht das Gemäuer“

Superintendent Hans Peter Bruckhoff verschwieg die Probleme der Kirche nicht, in dem er sagte, „der Abschied von unserer Kirche ist auch das Eingeständnis, wir haben es nicht geschafft unsere Kirche zu halten“. Die Botschaft des Tages sei, „es bleibt keine Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken“. Und Bruckhoff machte der Gemeinde Mut: „Jedes Ende hat einen Anfang“. Außerdem gab er der nach Baesweiler wechselnden Gemeinde mit, „das Innere dieser Kirche ist das Wertvolle, nicht das Gemäuer. Diese Kostbarkeit nehmen wir mit“.

Pfarrer Gürtler und Baesweiler und Siersdorfer Christen begrüßen die Gemeinde aus Setterich

Presbyter Peter Krüger nahm die letzte Amtshandlung in der Gnadenkirche vor und trug die Altarbibel hinaus, um sie am Altar der Friedenskirche dauerhaft abzulegen. Jochen Gürtler, Pfarrer an der Friedenskirche, bereitete den Setterichern gemeinsam mit den Baesweiler und Siersdorfer Christen einen herzlichen und warmen Empfang. Gürtler verhehlte seine Freude über den „Zuwachs“ nicht, auch wenn er unterstrich, „wir wissen, dass das heute ein schwerer Tag für Sie ist“. Gürtler berichtete zum Willkommensgottesdienst aus Gesprächen mit einem Settericher Gemeindemitglied, das sich erinnerte „noch die Steine zum Bau der Gnadenkirche geschleppt zu haben“. Schöne Erinnerungen an die Kirche gehören laut Gürtler aber ins Herz und nicht in ein Gebäude. Er betonte auch, „Erinnerungen und das Wort Gottes haben eins gemeinsam: Man kann sie nicht anfassen“. Spürbar war dann auch, dass sich die fusionierten Gemeinden Baesweiler, Setterich und Siersdorf an den Händen fassten und gemeinsam an Ihrer Zukunft bauen möchten.

Hintergrund: Gemeinde-Fusion und Kirchenentwidmungen

Die Gnadenkirche in Setterich wurde 1958 eingeweiht und wurde bereits 1964 erweitert. Seither war sie der gottesdienstliche Mittelpunkt der Ortsteile Setterich, Loverich, Floverich und Puffendorf. Im Herbst 2018 beantragte das Presbyterium der ehemaligen Evangelischen Kirchengemeinde Setterich-Siersdorf die Entwidmung der Kirche vor allem aus finanziellen Gründen und plante die Schließung des Gebäudes. Am 1. Januar 2019 fusionierte die Evangelische Kirchengemeinde Setterich-Siersdorf mit der Evangelischen Kirchengemeinde Baesweiler zur Evangelischen Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf. Kirchenkreis-Pressesprecherin Caren Braun erklärt dazu: „Die Konzeption der Evangelischen Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf sieht die Konzentration des gottesdienstlichen und gemeindlichen Lebens an der Friedenskirche und dem benachbarten Gemeindezentrum in Baesweiler vor“. Am 31. März wurde die Erlöserkirche in Siersdorf entwidmet; nun folgte die Entwidmung der Gnadenkirche in Setterich. Über eine künftige Nutzung der Erlöser- wie auch der Gnadenkirche wird noch beraten.

(Text: Siegfried Malinowksi)

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