Evangelische Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf

20.07.2021

Predigttexte als wertvolles Kulturgut

Buch mit den Herzogenrather Passionspredigten 2021 erschienen - Zum Nachlesen und Mitdenken

Erhard Lay, Britta Schwering, Dirk Puder, Jochen Remy, Renate Fischer-Bausch und Joachim Leberecht (v.l.n.r.) stellen das neue Predigtbuch vor. (Foto: Siekmann)

"Diese Buchreihe ist ein klares Bekenntnis zur Predigt als Kulturgut. Indem wir protestantischen Prediger*innen jeden Sonntag auf der Kanzel stehen, sind wir Teil einer Geschichte und Tradierung, die größer ist als wir selbst. Und dann ist es auch gar nicht mehr so wichtig, wie viele Menschen in den Bänken sitzen", so fasst Pfarrer Joachim Leberecht von der Lydia-Gemeinde Herzogenrath sein Motiv zusammen, erneut die Texte der Herzogenrather Passionspredigten als handliches Büchlein drucken zu lassen.
Dabei sind sich alle beteiligten Prediger*innen einig, dass diese Passionspredigten, die es in Herzogenrath seit 2014 gibt, etwas Besonderes sind, dass man sich tiefer in die Themen einarbeitet, mehr die Gedankengänge der Mitprediger verfolgt und sich tatsächlich als Team fühlt.

Ganz unterschiedliche Figuren

Nach den 7 Todsünden und den 7 Worten Jesu am Kreuz sind es 2021 Begegnungen mit 7 Menschen auf dem Weg zur Jesu Hinrichtung, mit denen sich die Texte auseinandersetzen. Schulseelsorger Jochen Remy hat sich Nikodemus ausgesucht, dessen Figur er besonders spannend findet, weil sie dreimal auftaucht und an ihr eine Entwicklung vom ersten zögernden Kontakt bis zum bekennenden Nachfolger Jesu deutlich wird. Prädikant Erhard Lay fasziniert an Pontius Pilatus, dass er es nicht nur namentlich in die Bibel, sondern sogar bis ins Apostolische Glaubensbekenntnis geschafft hat, dabei ordnet er dessen Rolle in den geschichtlichen Kontext ein und macht deutlich, dass Pilatus die Hinrichtung nur aus politischen Gründen anordnete, nicht, weil er von der Schuld überzeugt war.

Lehren für das heutige Leben

Krankenhauspfarrer Dr. Dirk Puder zeigt am Beispiel des Aufenthalts Jesu bei den beiden Schwestern Marta und Maria, wie einfaches Schwarz-Weiß-Denken die Wahrnehmung der Wirklichkeit einschränkt und kommt in der intensiven Auseinandersetzung mit dem Text zu dem Schluss, dass es ganz viele verschiedene Möglichkeiten gibt, Jesus nachzufolgen und jede*r hier nach seinen und ihren Stärken sich einbringen kann und darf. Gemeindepfarrerin Renate Fischer-Bausch nähert sich der komplexen, schillernden Figur des Petrus, der immer wieder Jesus herausfordert und als Konterpart wirkt, dabei zugleich unglaublich viel Identifikationspotenzial für uns Menschen bietet.
Keinen Namen, aber dafür Präsenz in allen vier Evangelien, hat die Magd des Hohepriesters, die mit wenigen Worten Petrus in arge Bedrängnis bringt - diese Figur hat es der Prädikantin Dr. Britta Schwering angetan, zumal sie ähnliche Situationen des Anschwärzens aus dem Schulalltag kennt. Manchmal unbedacht, manchmal mit voller Absicht werden andere durch den eigenen Wissensvorsprung in Schwierigkeiten gebracht. Wäre es da manchmal nicht klüger zu schweigen?

Abendmahl kein Bestrafungsinstrument

Gemeindepfarrer Joachim Leberecht setzt sich mit Judas auseinander, für ihn ein Synonym für das belastete Verhältnis zwischen Christen und Juden. Aber obwohl Jesus um die geplante Tat weiß und Judas sogar dafür tadelt, wird letzterer nicht vom Abendmahl ausgeschlossen, sondern darf weiterhin an der Gemeinschaft teilhaben. Eine Haltung, die der Kirche in den darauffolgenden Jahrhunderten bald abhanden gekommen war - stattdessen missbrauchte sie (auch teilweise heute noch) den Ausschluss vom Abendmahl als Sanktion bei Fehlverhalten.
Als siebten Beitrag enthält das Buch eine Gastpredigt des Salzburger Fundamentaltheologen Gregor Maria Hoff, der in der kurzen Begegnung mit dem römischen Hauptmann unterm Kreuz zu dem Schluss kommt, dass eine Begegnung mit Jesus zu der Erkenntnis führen kann, was Menschsein bedeutet.

Predigtreihe erreicht mehr Menschen 

Dass die Predigttexte erneut als Buch erschienen sind, hängt auch mit den Rückmeldungen von Gottesdienstbesucherinnen oder Zuschauern auf Youtube zusammen, die den Wunsch äußerten, den einen oder anderen Text nochmals in Ruhe nachlesen zu können. Das freut natürlich den Initiator Joachim Leberecht, der 2014 als neuer Gemeindepfarrer erstmals diese Themenreihe startete, um damals die Symbolik der Kirchenfenster der Markuskirche sichtbar zu machen.
Predigtreihen zu einem Thema sind ein Trend, um Menschen zu erreichen. Durch die vorherige Veröffentlichung der Themen suchen sich Interessierte gezielt das aus, was sie anspricht oder schätzen es, sich einem Sachverhalt aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern. "Dieser Projektcharakter ist typisch für die gesellschaftliche Entwicklung, in der pauschales langfristiges Engagement abnimmt, aber gern gezielt einzelne, passende Angebote wahrgenommen werden", fasst Britta Schwering den Erfolg zusammen. Joachim Leberecht ergänzt, dass sich durch Themenpredigten auch die Möglichkeit ergebe, das eigene Profil der Gottesdienste und der Gemeinde zu schärfen - und sogar Menschen zu erreichen, die nur selten in die Kirche gehen.
An neuen Ideen für zukünftige Jahre und Begeisterung der Prediger*innen mangelt es jedenfalls nicht - die nächsten Herzogenrather Passionspredigten sind schon gesichert.
Juliane Siekmann

Das Buch "7 Menschen auf Jesu Weg zur Hinrichtung", BoD-Verlag 2021, 64 Seiten, kann in der Buchhandlung Katterbach in Herzogenrath als Taschenbuch (4,99 €) und gebundenes Buch (12,99 €) erworben werden. Außerdem gibt es die Texte als e-Book für 2,99 €.

Die Mitschnitte der vollständigen Passionsgottesdienste sind über den Youtube-Kanal der Lydia-Gemeinde aufrufbar.

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