Evangelische Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf

Vereint und offen statt zersplittert

Neue Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf feiert Gründungsgottesdienst in der Friedenskirche – Bürgermeister Linkens lobt „richtige Entscheidung der selbstbewussten Gemeinschaft evangelischer Christen“

Trennende Wände einreißen, zusammenkommen und sich nach außen öffnen: Wie zwei zuvor eigenständige Kirchengemeinden ganz leicht zu einer werden können, zeigten Pfarrer Jochen Gürtler und Pfarrer Ulrich Schuster am Sonntag symbolisch im Gründungsgottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf. Sie entfernten eine Trennwand zwischen sich und die Rückwand eines Zeltes und machten so den Bibelvers deutlich, unter dem der ganze Festgottesdienst stattfand: „Mache den Raum deines Zeltes weit.“ (Jesaja 54,2)

Nach 55 Jahren wieder vereint

Schon zum Jahreswechsel hatten sich die beiden evangelischen Kirchengemeinden Baesweiler und Setterich-Siersdorf offiziell zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. Dies feierten sie nun mit dem Gründungsgottesdienst, zu dem fast 250 Menschen in die Friedenskirche kamen. In ihrer Dialogpredigt ließen Pfarrer Jochen Gürtler und Pfarrer Ulrich Schuster zunächst die Geschichte der Gemeinde(n) Revue passieren. Sie erinnerten daran, dass Setterich-Siersdorf aufgrund der stark wachsenden Bevölkerungszahl in den 1950er und -60er Jahren zwei neue Kirchengebäude sowie eine Kindertagesstätte errichtete und 1964 selbständig wurde. Unvergessen seien bis heute in Setterich-Siersdorf die Jugendfreizeiten mit Pfarrer Iljan in den 1970er Jahren, sagte Pfarrer Schuster. In Siersdorf habe es sogar eine Zeit lang einen eigenen Pastor gegeben, und auch das Wiedererstarken der Gemeinde in den 90er Jahren mit Pfarrer Ratajek-Greier sei sehr erfreulich gewesen.

Instrumente für Posaunenchor stünden bereit

Pfarrer Gürtler berichtete von einer ganz ähnlichen Entwicklung in der Kirchengemeinde Baesweiler mit einer sehr regen Jugendarbeit und der Einrichtung des Jugendraumes „Karton“, den Werkkreisen und dem Kirchenchor ‚Laetitia Cantandi‘, der auch heute noch aktiv ist. „Wir hatten sogar einen Posaunenchor! Wer Lust hat, den wieder aufleben zu lassen – die Instrumente befinden sich noch im Turmzimmer“, lachte er. Beide Pfarrer resümierten, dies seien gute Zeiten für die Gemeinden gewesen, mit einem regen Gemeindeleben, das viele Menschen prägte.

Gemeinsam unter einem Zelt und dem segnenden Christus

Nach den Zechenschließungen in der Region und angesichts des Bevölkerungsrückgangs sowie der heute veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen würden drei Kirchengebäude nun nicht mehr alle gebraucht. „Die Aufgabe von Kirchengebäuden tut noch weh, aber wir bitten heute um Segen für die Zukunft und für das Zusammenwachsen zu einer Gemeinde“, sagte Pfarrer Gürtler in einem Gebet. Als Höhepunkt der Predigt entfernten beide Pfarrer schließlich gemeinsam die sie trennende Zeltwand, machten den Blick auf das neue Logo der Kirchengemeinde frei und sagten: „Wir wollen jetzt vereint sein unter einem Zelt und dem segnenden Christus! Wir glauben an den einen Gott, und Christus stand in Baesweiler wie in Setterich und in Siersdorf immer im Mittelpunkt. Das ist es, was zählt.“ Es sei besser zusammenzustehen und sich zu öffnen als sich zu zersplittern. Anschließend feierte die neue Gemeinde mit den Abendmahlsgeräten aus allen drei Kirchen gemeinsam das Abendmahl.

Vertreter des Kirchenkreises würdigten Entschluss der Gemeinden

In den Grußworten nach dem Gottesdienst würdigten alle Redner die mutige Entscheidung der Gemeinden und wünschten Ihnen Gottes Segen für die gemeinsame Zukunft. Stellvertretend für den Evangelischen Kirchenkreis Aachen sprachen Superintendent Hans-Peter Bruckhoff und KSV-Mitglied Matthias Quarch. „Es war ein respektvoller, nachdenklicher, aber sehr kraftvoller Gottesdienst“, sagte Superintendent Bruckhoff. „Die Mitglieder des Kreissynodalvorstandes hat sehr bewegt, was sich in Ihrer Gemeinde getan hat und es freut uns, dass sie die Herausforderungen praktisch angehen. Wenn wir über unseren Schatten springen, springen wir nie zu kurz!“

"Schmerzhafte Verluste, aber keine Verlierer"

Diakon Achim Voiß von der katholischen Gemeinschaft der Gemeinden St. Marien Baesweiler überreichte der Gemeinde als Geschenk ein Apfelbäumchen. Er berichtete davon, dass auch die katholischen Gemeinden ihre Erfahrungen mit Gemeindefusionen gemacht hätten und dass er deshalb nachvollziehen könne, dass dies sicher kein leichter Entschluss gewesen sei. „Auch hier gibt es schmerzhafte Verluste, aber es gibt keine Verlierer. So muss es auch sein in der Kirche Jesu Christi.“

Pfarrer im Ruhestand Wolfgang Döring berichtet in seinem Grußwort davon, wie er selbst 1953 mit seiner Familie nach Baesweiler kam, weil sein Vater als Bergmann in der Zeche Arbeit gefunden hatte. „Setterich war in meiner Kindheit das kinderreichste Dorf der BRD, gemessen an der Einwohnerzahl“, sagte er. Als ehemaliger Gefängnisseelsorger überreichte er der Gemeinde ein Kreuz, das von einem Häftling der Aachener Justizvollzugsanstalt gefertigt wurde. Dieses soll das Kind erhalten, das als erstes in der neuen Gemeinde getauft wird.

Kommunal gehören die Gemeinden schon lange zusammen

Die Grüße und guten Wünsche der Baesweiler Bürgerinnen und Bürger überbrachte Bürgermeister Willi Linkens. Er sagte, seiner Ansicht nach habe die Gemeinde als „selbstbewusste Gemeinschaft der evangelischen Christen in Baesweiler die richtige Entscheidung getroffen“. Als Kommune habe Baesweiler die Gemeinschaft schon 1972 vollzogen. „Auch dies war anfangs nicht leicht, aber heute gehört man zusammen.“ Und, so scherzte Linkens: „Sie sind uns schon einen Schritt voraus: Sie haben Siersdorf schon mit eingemeindet!“

Fröhliche Atmosphäre und wachsendes Miteinander

Nach dem Gottesdienst äußerten beide Pfarrer sich sehr zufrieden. „Ich fand, es war eine fröhliche Atmosphäre und die Leute sind in Aufbruchsstimmung“, sagte Pfarrer Gürtler. Auch Pfarrer Schuster empfand die Stimmung als locker und gelöst. „Man merkt schon, dass die Leute sich mischen“, sagte er. „Es war ein richtiges Miteinander, und das Gemeinsame kommt schon immer mehr hervor.“

(Text: C. Braun / Ev. Kirchenkreis Aachen)

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